Donnerstag, 10. September 2015

Narzisstischer Spiegel

Ein Narzisst spiegelt nicht wie ein Therapeut, der die Worte des Sprechenden strukturiert, zu verstehen versucht, Gefühle herausarbeitet und Selbsterkenntnisse zu fördern gedenkt, die mögliche Lösungen erwirken.

Ein Narzisst hört die Worte des Sprechenden, interpretiert sie möglichst gegen sich (Schuldohr ist aktiv), unterstellt dem Sprechenden dazu passende Bösartigkeiten, die er in sich selbst abruft. Er projiziert also lediglich sein negatives inneres Bild von sich auf den Sprechenden.

Dies bedeutet wohl, dass er den Gesprächspartner nicht wirklich wahrnehmen, erkennen und verstehen kann. Er schließt von dem, was in ihm ist auf den anderen. Auch hier nochmal erwähnt, Empathie ist so nicht möglich.

Ist des Narzissten Selbstbild nun negativ oder positiv? Es ist leider häufig, fast immer, sehr negativ.

Über sich selbst würde er als direkte Aussage aber nichts ernstgemeintes, wahres Negatives zugeben, es allenfalls als Täuschung vortragen, um wiederum gesteckte Ziele (z. B. Einlullung) zu erreichen.

Spricht er über sich selbst, ist dies die Beschreibung seiner inneren Idealisierungen (Masken, Konstrukte, Bilder). Weil er sein echtes Inneres nicht erkennen will oder kann, es wäre zu schmerzhaft, er müsste sich seinen Defiziten stellen, so wählt er das Konstrukt von sich, das ihm spontan zur Situation zu passen scheint.

Narzissten wirken oft wenig authentisch, denn sie sind nicht authentisch. In ihnen besteht keine stabile Persönlichkeit.




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