Dienstag, 29. September 2015

Konfrontation des Opfers

Ein Mensch, der in narzisstischen Mustern lebt, mag das Interesse haben, dies unter gar keinen Umständen zu erfahren. Würde es ihn erschüttern, es dennoch zu erfahren? - Ja, das würde es zweifellos, es würde ihn zutiefst erschüttern, vielleicht sogar so erschüttern, dass massive Ängste entstehen, die wiederum dazu zutragen, schnell die "Augen" wieder zu verschließen. Die Erschütterung kann aber auch so heftig sein, dass ein psychischer Zusammenbruch erfolgt. Wer möchte schon gern erfahren, dass er von anderen als teilweise bis völlig empathielos erkannt wird, wer möchte schon gern von anderen erfahren, dass er als leblos und lieblos, egozentriert wahrgenommen wird? Wer möchte schon gern eine Diagnose erhalten: NPS?

Gibt es wirklich einen Weg daran vorbei, dass Menschen in Begegnung kommen, die sich trauen, das zu benennen, was sie für sich wahrnehmen und erkennen? Das kann z. B. 50 Jahre lang gelingen, plötzlich aber kommt unerwartet doch eine Person, die nicht bereit ist, ebenso wie der Narzisst, vor narzisstischen Mustern wegzurennen, die nicht bereit ist, dumpf und unbewusst zu leben und zu kuschen, den Mund zu halten.

Halt, stopp! Jeder Mensch trägt in sich angeblich ja narzisstische Anteile. Der aber, der weniger davon in sich trägt, für den ist es leichter, den zu erkennen, der mehr davon in sich trägt. Er fühlt mehr, er liebt mehr, er ist weitaus freier, er kennt den eigenen Wert mehr, er lebt mehr Empathie, er hat einen weniger verzerrten Blick.

Nicht selten reagiert ein demaskierter oder konfrontierter Narzisst mit Aggression/ Ärger gegen die mitgeteilte Wahrnehmung einer anderen Person zu seinen narzisstischen Mustern. Viele andere Möglichkeiten hat ein stark ausgeprägter Narzisst, den schon ein Staubkorn in Ärger bringt, eh nicht. Im besten Fall rennt der Erkannte danach weg (Das Opfer wäre dann ja frei.), auch eine gute Reaktion wäre, dass er sich in Therapie begibt, diese dann aber nicht missbraucht, um seinen Therapeuten zu "verarschen", im schlimmsten Fall wird er über Monate versuchen, das Opfer zu nötigen, gefälligst zu schweigen, und im vielleicht allerschlimmsten Fall bricht er in Gewalt, Hass und Rache, Abstrafung aus.

Häufiger las ich inzwischen von betroffenen Opfern, dass kurz nach der Konfrontation oder Demaskierung im Narzissten die seltsame Idee entsteht, dass es nur so sein könne, dass das Opfer der Narzisst ist. Insbesondere, wenn er sich über den Narzissmus informiert, wird er schnell  an Informationen kommen, die diese Idee sogar unterstützen. 

Opfernarzissmus, Gegennarzissmus, weiblicher Narzissmus. Gut, das Opfer ist also nun zum Narzissten interpretiert. Da es unzählige Paarkonstellationen gibt, ist es bemerkenswert, dass der Narzisst selbst nur darauf kommt, den Narzissmus schnell mal zu verschieben. :-D Das ist ja wie Schuldverschiebung, darin ist er eh ein Meister. Das Problem mag für ihn damit auch gelöst sein, er ist gesund, das Opfer ist krank.

Naja, dass das mal nicht schon gleich die nächste Illusion ist, die er für das Opfer schaffen will, oder wohl doch eher für sich selbst, um abzulenken, um weiterhin seine Manipulationen neuartig zu srticken?

Täter-Opfer-Verdrehungskonstrukte finde ich ziemlich seltsam. Das Opfer mag sich gerne eines Tages mal damit beschäftigen, ob es ggf. irgendwann gegen das innere Bauchgefühl handelte, ob es es auch hier und dort nicht schaffte, sich richtig abzugrenzen. Das aber entlastet einen Täter noch lange nicht von den emotionalen, körperlichen, niederträchtigen und grausamen Taten, die er am Opfer abgelassen hat, die das Opfer in die totale Starre und langzeitige Handlungsunfähigkeit und Seelenzerstörung führen sollten.





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